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Jonas Schmitz
ende

Regionalentwicklung

Was eine Region wirtschaftlich trägt

Wenn über die Zukunft einer Region gesprochen wird, geht es meist um die große Ansiedlung. Dabei trägt eine Region etwas anderes: die vielen kleinen Betriebe, die niemand nennt.

26. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit

Das Netz ist stärker als der Leuchtturm

Ein Großprojekt kann kommen — und wieder gehen. Was bleibt, ist das dichte Netz aus Familienbetrieben, Handwerk und Zulieferern, das eine Region über Generationen trägt. Es steht in keiner Schlagzeile, aber es hält die Wirtschaft zusammen.

Wer eine Region stärken will, sollte deshalb zuerst dieses Netz sehen — nicht den einen Namen, der Aufmerksamkeit bringt.

Nachfolge ist Regionalpolitik

Jeder gesunde Betrieb, der mangels Nachfolger schließt, reißt eine Lücke ins Netz — Arbeitsplätze, Wissen, Kaufkraft. Diese Lücken summieren sich leise, bis eine Region spürbar dünner wird.

Nachfolge zu sichern ist damit nicht nur eine Frage einzelner Familien, sondern eine der wichtigsten regionalen Aufgaben überhaupt.

Was das Netz in Zahlen ist

Die Größenordnung lässt sich benennen. Nach den Statistiken des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn zählen mehr als 3,4 Millionen Unternehmen in Deutschland zu den kleinen und mittleren — über 99 Prozent aller Unternehmen der Privatwirtschaft. In ihnen arbeiten rund 19,1 Millionen abhängig Beschäftigte, davon etwa 16,1 Millionen sozialversicherungspflichtig: etwas mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland.

Und bei der Ausbildung fällt der Anteil noch deutlicher aus: In Betrieben mit weniger als 250 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten mehr als 71 Prozent aller Auszubildenden. Wer in Deutschland einen Beruf lernt, lernt ihn mit großer Wahrscheinlichkeit in einem kleinen Betrieb.

Eine Zahl fällt aus der Reihe, und sie ist die interessanteste: Am gesamten steuerbaren Umsatz haben diese Unternehmen 2023 nur 28,0 Prozent. Über 99 Prozent der Unternehmen, gut die Hälfte der Beschäftigung, drei von vier Ausbildungsplätzen — aber weniger als ein Drittel des Umsatzes.

Genau darin liegt der Punkt. Wer eine Region nach Umsatz beurteilt, sieht die großen Namen. Wer sie nach Arbeit, Ausbildung und Bleibegründen beurteilt, sieht das Netz. Beides sind wahre Zahlen über dieselbe Wirtschaft — sie beantworten nur verschiedene Fragen. Für die Frage, was eine Region trägt, ist die Umsatzzahl die falsche.

Bleiben ist eine Standortentscheidung

Menschen bleiben, wo Arbeit, Kultur und Zugehörigkeit zusammenkommen. Fehlt eines davon, ziehen sie weiter — und mit ihnen die Substanz.

Eine starke Region denkt deshalb Betriebe, Kultur und Menschen zusammen, statt sie in getrennten Ressorts zu verwalten.

Quellen

Institut für Mittelstandsforschung Bonn, Statistiken zu Unternehmensbestand, Beschäftigten und Umsätzen, Bezugsjahr 2023. Daraus stammen die Anteile dieses Abschnitts. Abrufbar unter ifm-bonn.org.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Die Zahlen folgen der KMU-Definition der EU-Kommission und decken sich nicht vollständig mit dem, was umgangssprachlich Mittelstand heißt — das IfM weist selbst darauf hin, dass KMU nur ein Teil des Mittelstands sind. Und die Ausbildungsquote bezieht sich auf Betriebe unter 250 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, also auf eine Größengrenze, nicht exakt auf dieselbe Abgrenzung.

Alle Werte sind Bundeszahlen. Auf eine einzelne Region lassen sie sich nicht herunterrechnen — sie beschreiben ein Muster, keinen Ort.

Eine Region trägt, was viele gemeinsam halten. Nicht der Leuchtturm rettet sie, sondern das Netz darunter.