Regionalentwicklung
Fachkräfte halten — warum die Region entscheidet
Kein Thema beschäftigt den Mittelstand so sehr wie fehlende Fachkräfte. Die Antwort darauf endet aber nicht am Werkstor — sie reicht in die Region hinein.
25. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit
Menschen wählen einen Ort, nicht nur einen Job
Wer eine Stelle annimmt, entscheidet auch über einen Lebensort: Wohnen, Familie, Freizeit, Zugehörigkeit. Ein guter Betrieb in einer Region ohne Leben hat es schwerer als ein solider Betrieb in einer lebendigen.
Fachkräftesicherung ist deshalb nie nur eine Frage des einzelnen Arbeitgebers, sondern immer auch eine der Region.
Warum ein einzelner Betrieb das nicht allein löst
Ein Unternehmen kann gute Löhne zahlen und trotzdem keine Leute finden, wenn ringsum die Infrastruktur, das kulturelle Leben und die Perspektive fehlen. Diese Faktoren entstehen im Zusammenspiel vieler — nicht im Alleingang.
Deshalb lohnt es sich für Betriebe, über den eigenen Zaun hinaus zu denken: Was die Region stärkt, stärkt am Ende auch sie.
Wie groß das Problem tatsächlich ist
Der Mittelstand rechnet nicht damit, dass sich das auswächst. In einer Sonderbefragung zum KfW-Mittelstandspanel erwarten kleine und mittlere Unternehmen für die nächsten zehn Jahre einen Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung um durchschnittlich 8,2 Prozent. Fast drei von fünf Betrieben rechnen in den nächsten fünf Jahren mit Problemen, geeignete Bewerber zu finden.
Und es bleibt nicht bei Besetzungsproblemen: 9 Prozent der befragten Unternehmen sehen sich mittel- bis langfristig in jedem Fall in ihrer Existenz gefährdet, weitere 23 Prozent halten das für eher wahrscheinlich. In Summe sieht fast jedes dritte mittelständische Unternehmen seine Zukunft durch den Arbeitskräftemangel bedroht.
Was Betriebe daraus ableiten, ist der eigentlich bemerkenswerte Teil. 40 Prozent der betroffenen Unternehmen halten es für wahrscheinlich, künftig weniger Aufträge anzunehmen. 31 Prozent würden Produktion, Öffnungszeiten oder Erreichbarkeit zurückfahren, 13 Prozent Standorte schließen. Der Fachkräftemangel ist an diesem Punkt kein Personalthema mehr, sondern eine Frage davon, wie viel Wirtschaft eine Region überhaupt noch trägt.
Zugleich versuchen Betriebe genau das, was ein einzelner Arbeitgeber tun kann: 45 Prozent wollen ihre Bekanntheit als Arbeitgeber steigern, 35 Prozent überregional rekrutieren. Beides hilft — aber beides bewegt sich innerhalb desselben Bewerberkreises. Wer aus einer anderen Region kommen soll, entscheidet nicht über einen Arbeitsplatz, sondern über einen Wohnort. Genau dort endet, was ein Betrieb allein ausrichten kann.
Was Betriebe und Region gemeinsam tun können
Ausbildung, die bleibt; Kooperationen, die Wissen teilen; ein Umfeld, in dem Kultur und Wirtschaft zusammenspielen — das hält Menschen eher als jede einzelne Gehaltserhöhung.
Fachkräfte zu halten ist am Ende dasselbe wie eine Region zu stärken: Man denkt Betriebe, Menschen und Ort zusammen.
Quellen
KfW Research: Mittelstand stellt sich auf Herausforderungen durch demografischen Wandel ein, Fokus Volkswirtschaft Nr. 489 vom 11. März 2025, auf Basis einer Sonderbefragung zum KfW-Mittelstandspanel. Daraus stammen alle Zahlen dieses Abschnitts. Abrufbar unter kfw.de.
Es handelt sich um Erwartungen von Unternehmen, nicht um gemessene Ergebnisse: Die Betriebe wurden gefragt, was sie für die nächsten fünf bis zehn Jahre für wahrscheinlich halten. Was davon eintritt, weiß heute niemand. Der Wert der Zahlen liegt darin, dass sie zeigen, womit der Mittelstand selbst rechnet.
Fachkräfte gewinnt man nicht gegen die Region, sondern mit ihr. Wer den Ort stärkt, stärkt seinen eigenen Betrieb.
Falls Sie das aus eigener Lage lesen:
