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Jonas Schmitz
ende

Nachfolge & Mittelstand

Die häufigsten Fehler bei der Betriebsübergabe

Eine Übergabe scheitert selten an einem großen Fehler. Sie scheitert an mehreren kleinen, die man früh hätte vermeiden können.

23. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit

Zu spät angefangen

Der häufigste Fehler ist der Zeitpunkt. Wer die Nachfolge aufschiebt, bis Alter oder Gesundheit sie erzwingen, verliert die wichtigste Ressource einer guten Übergabe: Zeit. Ohne sie fehlt die Auswahl, die Einarbeitung, die Ruhe.

Früh zu beginnen kostet nichts — es hält nur alle Türen offen.

Nur auf den Preis geschaut

Der zweite Fehler ist, die Übergabe auf eine Zahl zu reduzieren. Der höchste Preis nützt wenig, wenn der Käufer den Betrieb zerlegt, den Namen streicht und die Mannschaft verliert. Was dann verkauft wurde, war nur die Hülle.

Ein fairer Preis ist wichtig — aber er ist das Ergebnis einer guten Übergabe, nicht ihr einziges Ziel.

Die Mannschaft zu spät eingebunden

Der dritte Fehler ist Schweigen. Wer die Belegschaft erst informiert, wenn alles entschieden ist, riskiert Vertrauen und Wissen — genau das, was den Betrieb ausmacht.

Offenheit zur rechten Zeit ist keine Schwäche, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Übergabe trägt.

Was die Beratungspraxis als häufigsten Fehler sieht

Der teuerste Fehler ist auch der am besten belegte. Nach der Auswertung der IHK-Beratungen wenden sich drei Viertel der Unternehmen erst zwei Jahre oder kürzer vor der geplanten Übergabe an einen externen Ansprechpartner. 38 Prozent der Abgebenden gelten dort als nicht gut vorbereitet, weil sie sich zu spät mit dem Vorhaben befasst haben.

Ein zweiter Befund korrigiert eine verbreitete Annahme. Es wird gern gesagt, es gebe zu wenige Übernahmeinteressenten. Tatsächlich hatten 49 Prozent der Senior-Unternehmerinnen und -Unternehmer zum Zeitpunkt der Beratung noch keine passende Nachfolge gefunden — und mit 48 Prozent berichten die Interessenten fast genau denselben Anteil. Wenn beide Seiten in gleichem Maß niemanden finden, ist das Problem weniger ein Mangel als ein Zusammenfinden.

Die Lücke wächst allerdings: 5.620 Unternehmen in der Kammerberatung stand 2024 kein potenzieller Kandidat gegenüber, ein historischer Höchststand; seit 2019 hat sie sich fast verdoppelt. Diese Zahlen stammen aus der Beratungsstatistik der Kammern, sind also keine repräsentative Stichprobe für den gesamten Mittelstand — wer sie zitiert, sollte das mitsagen.

Quellen

DIHK, Report Unternehmensnachfolge 2025, veröffentlicht 2025 auf Basis der IHK-Beratungsstatistik des Jahres 2024 (über 50.000 persönliche Kontakte, Einschätzungen von rund 300 Nachfolgeexperten der 79 Kammern).

Die meisten Übergabe-Fehler kosten nichts zu vermeiden — sie brauchen nur, dass man früh und ehrlich anfängt.