Nachfolge & Mittelstand
Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Nachfolge?
Die meisten Übergaben scheitern nicht am Nachfolger, sondern am Zeitpunkt. Wer zu lange wartet, verhandelt aus der Schwäche statt aus der Ruhe.
20. Juli 2026 · 4 Min. Lesezeit
Der Zeitpunkt kündigt sich leise an
Kaum ein Betrieb steht eines Morgens vor der Frage der Nachfolge. Sie kündigt sich über Jahre an — in Gedanken, die man beiseiteschiebt, in Investitionen, die man aufschiebt, in der Erkenntnis, dass die eigene Energie nicht mehr die von vor zehn Jahren ist.
Ein guter erster Prüfstein ist eine einfache Frage: Würde ich heute noch einmal so investieren, als hätte ich zwanzig Jahre vor mir? Wer zögert, hat innerlich meist schon eine Antwort — und sollte anfangen, sie ernst zu nehmen.
Früh heißt: aus der Ruhe verhandeln
Eine Übergabe braucht Zeit — für Vertrauen, für die Einarbeitung, für die Bindung von Mannschaft und Kunden. Wer diese Zeit hat, kann wählen: den richtigen Partner, die richtige Form, das richtige Tempo.
Wer sie nicht hat — weil Krankheit, Alter oder Erschöpfung die Entscheidung erzwingen —, verhandelt unter Druck. Und Druck ist der schlechteste Ratgeber für die wichtigste Entscheidung eines Unternehmerlebens.
Der erste Schritt ist kein Verkauf, sondern ein Gespräch
Den Zeitpunkt zu erkennen, verpflichtet zu nichts. Es bedeutet nur, das Thema aus der Schublade zu holen und mit jemandem zu besprechen, der zuhört, bevor er rechnet.
Genau darum geht es auf der Nachfolge-Seite: nicht um einen schnellen Abschluss, sondern um einen Weg, der zum Betrieb passt — mit der ausdrücklichen Zusage, dass Name und Mannschaft bleiben.
Was die Erhebungen zum Zeitpunkt zeigen
Die aussagekräftigste Zahl steht in der KfW-Erhebung und wird selten zitiert: Wer eine Nachfolge kurzfristig anstrebt — bis Ende 2026 —, ist im Schnitt bereits 66,5 Jahre alt, gut ein Jahr älter als in der Vorerhebung. Das liegt im Mittel über dem gesetzlichen Renteneintrittsalter. Der Vorlauf ist bei vielen also nicht knapp, sondern bereits aufgebraucht.
Dazu passt die Beobachtung der Industrie- und Handelskammern: Drei Viertel der von ihnen beratenen Unternehmen melden sich erst zwei Jahre oder kürzer vor der geplanten Übergabe. 38 Prozent der abgebenden Inhaberinnen und Inhaber gelten in der Beratungspraxis als nicht gut vorbereitet, weil sie zu spät angefangen haben. Die Kammern selbst empfehlen drei bis zehn Jahre Vorlauf — das ist eine Empfehlung der Kammerorganisation, kein gemessener Durchschnittswert.
Wie weit die Praxis davon entfernt ist, zeigt eine weitere Zahl: Nur 26 Prozent der nachfolgeplanenden Unternehmen hatten 2025 überhaupt schon jemanden gefunden. Bei 14 Prozent waren die Verhandlungen abgeschlossen, bei 12 Prozent liefen sie noch. Die KfW wertet das gegenüber dem Vorjahr ausdrücklich als kaum verändert.
Für die kurzfristigen Vorhaben rechnet die KfW damit, dass rund 14 Prozent scheitern und bei weiteren 21 Prozent Verzögerungen auftreten. Wichtig für die Einordnung: Das ist keine gemessene Scheiterquote, sondern eine Ableitung aus dem Planungsstand — ein Teil war noch gar nicht in den Prozess eingestiegen, ein weiterer hatte bislang nur Informationen gesammelt.
Quellen
KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 526: Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025, veröffentlicht am 9. Januar 2026, Erhebung Frühjahr 2025 auf Basis des KfW-Mittelstandspanels.
DIHK, Report Unternehmensnachfolge 2025, veröffentlicht 2025 auf Basis der IHK-Beratungsstatistik des Jahres 2024.
Der richtige Zeitpunkt ist fast immer früher, als es sich anfühlt. Nicht weil es eilt, sondern weil Ruhe bessere Entscheidungen hervorbringt als Not.
Falls Sie das aus eigener Lage lesen:
