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Jonas Schmitz
ende

Nachfolge & Mittelstand

Nachfolge ohne eigene Kinder was dann?

Viele Inhaber haben ein Bild vor Augen: Der Betrieb bleibt in der Familie. Wenn das nicht aufgeht, fühlt es sich oft wie Versagen an. Ist es aber nicht.

21. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit

Kein Nachfolger in der Familie ist der Normalfall

Dass Kinder eigene Wege gehen, andere Berufe wählen oder schlicht kein Unternehmer sein wollen, ist heute die Regel, nicht die Ausnahme. Das über einen Betrieb zu sagen, den man aufgebaut hat, fällt schwer — ändert aber nichts an der Lage.

Der erste Schritt ist, sich das ehrlich einzugestehen, statt Jahre zu verlieren, in denen man auf ein Ja hofft, das nicht kommt.

Die Wege außerhalb der Familie

Es gibt mehr Möglichkeiten, als viele denken: die Übergabe an langjährige Mitarbeiter, an einen externen Nachfolger, an einen Partner, der den Betrieb weiterführt statt ihn zu zerlegen. Jeder Weg hat seine eigenen Fragen — aber jeder ist besser als die Schließung.

Entscheidend ist nicht die Form, sondern dass die Substanz — Name, Mannschaft, Kundschaft — erhalten bleibt.

Früh sprechen schützt das Lebenswerk

Wer erst sucht, wenn es nicht mehr anders geht, verhandelt unter Druck und mit wenig Auswahl. Wer früh beginnt, kann den richtigen Menschen finden und in Ruhe übergeben.

Ein erstes Gespräch verpflichtet zu nichts — es sortiert nur die Gedanken und zeigt, welche Wege realistisch sind.

Wie verbreitet das tatsächlich ist

Zur Einordnung hilft ein Blick auf die Größenordnungen. Von rund 3,6 Millionen Unternehmen in Deutschland sind etwa 3,2 Millionen Familienunternehmen. Davon erwirtschaften 733.000 einen Gewinn, der eine Übernahme wirtschaftlich sinnvoll macht — und aus dieser Gruppe stehen zwischen 2026 und 2030 schätzungsweise 186.000 Unternehmen zur Übergabe an.

Wie viele davon keinen Nachfolger in der eigenen Familie haben, weist keine der mir bekannten Erhebungen gesondert aus. Ich nenne deshalb keine Quote — was belegbar ist, ist der Befund am anderen Ende: 5.620 Unternehmen in der Nachfolgeberatung der Kammern stand 2024 kein einziger Kandidat gegenüber, ein historischer Höchststand.

Und die Alternative zur Übergabe wird häufiger gewählt, als viele annehmen: Jedes vierte mittelständische Unternehmen erwägt eine bewusste Geschäftsaufgabe nach dem Rückzug der Inhabergeneration. Häufigster Grund ist mit 52 Prozent schlicht das Erreichen des Rentenalters. Das sind überwiegend geplante Entscheidungen, keine gescheiterten Nachfolgen — aber jede davon war einmal ein Betrieb, der auch hätte weitergeführt werden können.

Quellen

IfM Bonn, Daten und Fakten Nr. 37: Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2026 bis 2030, veröffentlicht November 2025 (Schätzung auf Basis amtlicher Daten, keine Vollerhebung).

KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 526: Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025, veröffentlicht am 9. Januar 2026.

DIHK, Report Unternehmensnachfolge 2025, veröffentlicht 2025 auf Basis der IHK-Beratungsstatistik des Jahres 2024.

Kein Nachfolger in der Familie zu haben, ist kein Scheitern. Den Betrieb schließen zu lassen, weil man zu spät gesucht hat, wäre eines.